Rede zur Kundgebung zu 150 Jahren §218 am 15.05.21 in Heidelberg

Liebe Freund*innen, Mitstreiter*innen und Passant*innen,

Ist es nicht seltsam, dass genau die Frau, die einst sagte, dass auf Kinder und Frauen an der Grenze geschossen werden soll, eine schillernde Abtreibungsgegner*in ist? “Beim Marsch fürs Leben”, marschierte die AFD-Frontfrau Beatrix von Storch Seite an Seite mit jenen Menschen, die sich selbst als Lebensrechtler*innen bezeichnen. Sollten wir das nicht für widersprüchlich halten?

Die Bewegung der Abtreibungsgegner*innen wird in ihrer politischen Strategie oft unterschätzt. Sie bedient sich zahlreicher Mittel, um zu schikanieren und falsche Informationen zu verbreiten. Oft bezeichnen sie sich selbst als besorgte Menschen, denen es um das Wohl der Mutter und des Kindes geht – das kommt leider an; auch in der Politik. Ich möchte euch heute ein Bild davon geben, wer sie sind, wieso wir sie nicht unterschätzen sollten und am wichtigsten: was wir gegen sie und ihren Einfluss tun können.

Erstens. Wer sind diese Fundamentalist*innen? Wieso reden wir über sie? Fundamentalist*innen der Abtreibungsgegnerschaft verbreiten gezielt Ängste und machen Gewaltansagen an diejenigen, die sich nicht ihrem Willen beugen möchten. Dabei verläuft das Spektrum von Strenggläubigen bis zur Identitären Bewegung. Sie vereint eine antifeministische Ideologie, in der die Frau* für die Reproduktion zuständig ist und deshalb die gesellschaftliche Aufgabe, oder eher gesagt Verpflichtung, hat, dieser nachzukommen. Und ihnen ist gemeinsam, dass für sie nicht jedes Leben gleich viel Wert ist, wie ihr schon beim Beispiel mit Beatrix von Storch feststellen konntet. 

Abtreibungsgegner*innen wenden dabei die perfidesten Methoden an, um den Frauen* klar zu machen, wie verwerflich sie angeblich handeln, wenn sie einen Abbruch durchführen wollen. In sogenannten „Embryonenoffensiven“ verteilt der Verein Durchblick e.V. beispielsweise Kunststoff-Puppen von vermenschlichten Embryos an Frauen*. Thomas Schürer, Vorsitzender des Vereins begründet die Offensive damit, dass man der Frau* bewusst machen müsse, dass sie mit einem Abbruch ein Kind töte. Andere Abtreibungsgegner*innen versuchen, Frauen* mit dem Bedürfnis, eine Schwangerschaft abzubrechen, gar auf eine Stufe mit Tätern des Holocausts zu stellen. Der Fundamentalist Klaus-Günther Annen, der gerade mal 20 km von hier entfernt lebt, betreibt beispielsweise eine Website mit dem Namen “Babycaust”, auf der er den Holocaust relativiert und Gynäkolog*innen, die Abbrüche durchführen, als KZ-Kommandantinnen beschimpft.

Zweitens. Wie organisieren sie sich in Zeiten der Pandemie und welchen Einfluss haben sie? Denn passend zu ihrem faschistoiden Gedankengut ist an der sogenannten Lebensrechtsbewegung vor allem eines brandgefährlich: die Verbreitung von Desinformation. Auch während der Pandemie wurden sie weltweit nicht müde, die maroden Stellen der Gesundheitssysteme für sich zu nutzen. Es hieß, Schwangerschaftsabbrüche seien kein notwendiger Eingriff und sollten während der Pandemie ausgesetzt werden. Eine Abtreibung ist aber ein unaufschiebbarer Eingriff, denn für die Straffreiheit der Betroffenen gilt nach wie vor die 12-Wochen-Frist.Zudem negiert diese Behauptung die unmittelbare Erfahrung einer ungewollt Schwangeren und das erhöhte Gesundheitsriskio, welches mit einer fortschreitenden Schwangerschaft einher geht.

Für christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner*innen hingegen ist hier keine Krise zu erkennen. Im Gegenteil. Auf die dringlichen Forderungen von Beratungsstellen wie pro familia reagieren sie mit Ablehnung und Hohn. Sobald telefonische Beratungen möglich waren, machten sie sich gleich ran, zu schikanieren oder falsche Beratungsstellen zu erfinden, um dort den Menschen gezielt von einem Abbruch abzuraten. Diese Abtreibungsgegner*innen sind nicht besorgt um die Frau*. Stattdessen missbrauchen sie ihre bereits stressige Situation und schüren Angst. Beispielsweise führen Abtreibungsgegner*innen sogenannte „Gehsteigberatungen“ durch, bei denen Sie schwangere Frauen* vor Beratungsstellen und Abtreibungskliniken gezielt ansprechen und ihnen Plastikföten, Broschüren und Flyer mit Abtreibungsbildern geben. Darüber hinaus veranstalten Abtreibungsgegner*innen regelmäßig in mehreren Städten Europas sogenannte “Märsche für das Leben”. Auch bei den „1000-Kreuze“-Aktionen tragen viele Protestierende weiße Kreuze, die auf die Abtreibung von angeblich etwa 1000 Embryonen pro Tag und eine hohe Dunkelziffer hinweisen sollen. Laut dem statistischen Bundesamt wurden 2012 in Deutschland aber lediglich circa 350 Abbrüche pro Tag durchgeführt, und die Dunkelziffer wird als sehr niedrig eingeschätzt. 

Obwohl dies alles sehr skurril klingen mag, dürfen wir hier nicht vergessen, dass die derzeitige Gesetzeslage nicht uns Feministinnen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern, sondern den Fundamentalist*innen die moralische Deutungshoheit gibt. “Straffreiheit” für etwas, das ein Grundrecht ist, zu erhalten, ist purer Hohn – und misogyn. Dass Abbrüche bestraft werden sollten, ist aber genau das, was Fundamentalist*innen fordern. Somit lässt sich das Gesetz viel eher mit den Ansichten von Fundamentalist*innen vereinen als mit denen von Feminist*innen – und dabei sollten wir auch nicht vergessen, dass der Staat und somit sein Repressionsapparat dieses Gesetz und nicht die Rechte von Frauen* schützt. Es ist der Staat, oder genauer gesagt die Polizei, die den Fundamentalist*innen unter die Arme greift, wenn sie gegen Gynäkolog*innen ermittelt, weil diese über Schwangerschaftsabbrüche informieren. 

Drittens. Und nun stehen wir hier und fragen uns: was können wir tun?  Was können wir machen, um die von Abtreibungsgegner*innen ausgehende Gefahr für Frauen* einzudämmen? Dazu müssen wir bedenken, dass Abtreibungsgegner*innen darum wissen, dass viele Menschen kein stabiles Umfeld haben, dem sie sich anvertrauen können. Nach wie vor zeigt die Gesellschaft ja ihre Abneigung gegen Schwangerschaftsabbrüche mit ihrer restriktiven Informations- und Gesundheitspolitik. Also liegt es an uns, diese Menschen zu unterstützen.

Wir fordern daher:

–  transparente und niederschwellige Aufklärungsarbeit und -kampagnen.

– das Etablieren von Abbruchoperationen in den Lernplan des Medizinstudiums: allen Medizinstudent*innen sollte es möglich sein, Schwangerschaftsabbrüche zu erlernen. Setzt euch in eurem Studium, in einer Hochschulgruppe oder im StuRa für das Recht auf straf- und kostenfreie Abtreibung ein!

– Außerdem muss sich ganz klar die Gesetzeslage ändern. Denn was erlaubt ist, ist nicht automatisch straffrei.

– und wir fordern Reproduktive Gerechtigkeit. Das bedeutet alle Aspekte der reproduktiven Gesundheit und des sexuellen Selbstbestimmungsrechts mitzudenken. Sei es Verhütung, Schwangerschaftsabbruch oder Reproduktionstechnologien.

– Und wir rufen euch auf: Unterstützt euer privates Umfeld! Teilt euren Freund*innen, Bekannten und Kolleginnen mit, dass ihr im Falle da seid. Informiert euch und hört gut zu.

– und last but not least: Make anti-abortionists “afraid” again! Seid laut auf der Straße und anderswo!

Wir haben gerade gehört, dass Kinder an Grenzen zu erschießen und danach für das Leben zu demonstrieren für sogenannte “Lebensrechtler*innen” kein Widerspruch ist. Und wir wissen, wieviel Einfluss diese Leute habe. ABER wir überlassen ihnen nicht das Feld. Wir werden uns weiterhin vehement gegen diesen Scheiß-Paragrafen wehren. Denn er muss weg. Weg, weil er diesen Menschen direkt in die Karten spielt. Weg, weil er jegliche Selbstbestimmung für uns alle unterminiert.

Denn dieser Paragraf gefährdet Leben – Fundamentalist*innen gefährden Leben. Also – bleibt laut und wir sehen uns auf der Straße!

AKUT + [C] Podcast – Episode 4

Für die 4. Episode unseres AKUT+C Podcasts haben wir eine Aktivistin interviewt die 2020 für mehr als ein halbes Jahr in Calais war. Ähnlich wie die aktuell besonders bekannten Beispiele der Lager Moria auf Lesbos oder Lipa in Bosnien, war Calais über die letzte 20-30 Jahre ein erschreckendes Beispiel des Versagens europäischer Geflüchtetenpolitik. Wir wollen den Podcast dazu nutzen, über die Situation der Refugees in Calais, an der Grenze zwischen Frankreich und England, zu sprechen.

Weiterführende Infos und Links:

  • Telegram Calais info channel: t.me/calaisinfo
  • News and information site for migrants: InfoMigrants
  • Französische Website zu Calais
  • Deutsche Website zu Calais
  • hro twitter: @HumanRightsObs
  • project play instagram: @projectplayfrance
  • Calais food collective instagram: @calais_food_ collective
  • YouTube Video, das wir für das Intro verwendet haben

AKUT + [C] Podcast – Episode 3

Im Dezember letzten Jahres veröffentlichte das Feministische Bündnis Heidelberg einen Sammelband mit dem Titel “Was kostet eine Frau – Eine Kritik der Prostitution. In der dritte Episode unsere Podcasts konnten wir nun die Mitherausgeberinnen und Autorinnen des Buches, Mara Moneyrain und Hanna Vatter, für ein Interview zum Sammelband gewinnen. Im 50-minütigem Gespräch diskutieren wir Fragen zur aktuellen Situation von Frauen in der Prostitution in Deutschland, reden über verschiedene Gesetzgebungen, insbesondere über das Nordische Modell und rücken auch explizit den Freier ins Zentrum der Debatte.

Viel Spaß beim zuhören und stay tuned für kommende Episoden!

Rede zum Protestcamp in Heidelberg am 16.01.2020

Wir begrüßen das Protestcamp am Rathaus in Heidelberg, dass sich seit einigen Tagen dort aufhält. Schaut gerne vorbei auf dem Camp, unterstützt mit eurer Anwesenheit, Bannern oder Zelten den Protest. Nehmt euch auch eine Kanne Tee und natürlich eure Maske mit.

No Borders No Nation

Seit Jahren ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer und wir wissen, der Tod dieser Menschen ist in Europa politisch gewollt. Wer lässt diese Menschen sterben?

Wir wissen von den Pushback-Aktionen. Pushback heißt, dass die Boote von der Küstenwache nicht an Land gelassen werden. Stattdessen werden die Boote in gefährliche Gewässer gebracht, dementsprechend zurück gepusht. Das bedeutet eine aktive Gefährdung von Schutzsuchenden herbeizuführen. Wir wissen auch das “christliche” Politiker wie Seehofer sich nicht schämen, solche illegalen Aktionen zu decken – wieso? Es sind nicht nur ‘die Politiker’ oder Faschisten, die diese Menschen sterben lassen. Es ist ein politischer Unwille in der Gesellschaft, diese Grenzen zu durchbrechen. Es ist nicht so, dass die Nachricht des Leides durch die Medien zensiert wird, Menschen nicht darüber sprechen oder Tatsachen geschönt werden. Hier halten wir Banner hoch mit der Forderung, die Menschen aus den Lagern zu holen und das Massensterben im Mittelmeer zu stoppen und als Antwort kommt zurück: Nee, machen wird nicht. Wie ist das möglich? Wie können Menschen das Sterben und die Zustände in den Lagern zulassen, gar akzeptieren? So sehr es nach Irrsinn ausschaut, dahinter steht ein logisches Denken basierend auf Grenzen. Ein Denken das ein -Wir- gegen -die Anderen- befeuert. Ein Denken, dass besagt: Du dort, ich hier…. Es erscheint unverändbar. Denn die Logik dahinter, lässt das Sterben als Notwendigkeit erscheinen. Mit dieser Logik wirken Grenzen, Abschottung, Konkurrenz und Volksgemeinschaften auf uns, als natürlich. Diese Logik macht Nationen und Nationalitäten, Reisepässe und Visa, Waffenexporte und Profitmaximierung zu einer Selbstverständlichkeit.

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25 Jahre Hafenstraße’96 – Erinnerunsgwoche

Heute startet die Erinnerungswoche an 25 Jahre Hafenstraße’96. Vor 25 Jahren brannte in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 das Asylbewerber*innenheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene kommen hierbei ums Leben. 38 Menschen wurden verletzt. Die Ursache war ein rassistischer Brandanschlag – ein trauriger Anlass, der es verdient auf eine besondere Art und Weise erinnert zu werden.

Nehmt an der Petition für einen Untersuchungsausschuss teil, besucht digitale Veranstaltungen oder kreiert eure eigene kleine Aktion! Lasst uns die Menschen auf ihrem Weg nach Gerechtigkeit unterstützen!

Hafenstraße'96, weiß auf pink geschrieben.

Protestcamp am Heidelberger Rathaus: Evakuiert die Geflüchtetenlager an den EU-Außengrenzen!

Dich erschüttern die Nachrichten aus den überfüllten Geflüchtetencamps an den EU-Außengrenzen?
Du bist enttäuscht, weil die EU-Politik versagt, Menschenrechte mit Füßen tritt und damit ihre eigenen Werte verrät?
Du möchtest mehr über die Situation erfahren?
Du willst direkt Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und fordern, dass die Politik endlich ihrer Verantwortung nachkommt?

Dann komm ab Samstag, 16. Januar 2021, um 13 Uhr auf den Marktplatz in Heidelberg! Dort errichten wir gemeinsam ein coronakonformes Protestcamp.
Wir freuen uns auf dich, egal ob du 30min oder 12h, an einem einzigen oder allen 7 Tagen mit uns protestierst. Wir werden die ganze Woche vor Ort sein und ein abwechslungsreiches Programm haben! Du musst also nicht direkt am Samstag Zeit haben, sondern kannst jederzeit dazukommen.
Es ist an der Zeit, das Schweigen über die Situation in den Lagern erneut zu brechen und die kollektiven Menschenrechtsverletzungen nicht zu tolerieren.
Sei mit uns präsent!

Was solltest du mitbringen?

  • Maske, ggf. Handdesinfektionsmittel
  • warme Kleidung
  • ggf. ein Plakat/Demoschild
  • für längere Aufenthalte: Zelt, Schlafsäcke, Isomatte, eigene Schüssel, Besteck, Becher und Thermoskanne

Die Stadt Heidelberg hat uns eine Übernachtung auf dem Marktplatz leider untersagt mit der Begründung, dass nachts ohnehin keine Passant*innen mehr unterwegs sind. Dies schränkt uns in der Symbolik unseres Protestes und unserer Meinungsäußerung ein. Wir sehen es nicht als Aufgabe des Ordnungsamt über die Sinnhaftigkeit einer Versammlung zu urteilen, weshalb wir rechtliche Schritte gegen diese Auflage prüfen. Vorerst findet das Camp aber dennoch ohne Übernachtung statt.

Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, folge uns auch auf Twitter!

Wir freuen uns auf Dich!

Symbol: Refugees Welcome mit Informationen zum Camp auf Englisch,

Bericht zu sexueller Belästigung und Gewalt an der Universität Heidelberg veröffentlicht.

Studierende der Universität Heidelberg haben eine Umfrage zu sexueller Belästigung und Gewalt unter Studierenden sowie in Beziehung zu Lehrenden derselben Institution untersucht. Herausgekommen ist ein Bericht, der zeigt, was schon lange befürchtet wird.

Zwar wird mehr und mehr anerkannt, dass Frauen* es schwer haben, eine akademische Laufbahn bis zur Professorin* zu durchlaufen. Aber in dieser Studie wird ein Blick auf das alltägliche, von Sexismus geprägte Leben an der Universität geworfen.

Die Umfrage wurde von Studierenden an dem Institut für Ethnologie, dem Südasien-Institut und dem Center für Transkulturelle Studien in Heidelberg selbstverständlich anonym durchgeführt. Leider sind Universitäten nicht gerade positiv dabei aufgefallen, sich selbst zu studieren und zu reflektieren. So wird auch im dazugehörigen Podcast von den forschenden Studierenden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Support sich nur durch vereinzelte Personen an der Universität auszeichnete. Tatsächliche strukturelle Schritte beschränkten sich auf die Verbreitung der Umfrage durch oben erwähnte Institute und deren Anhörung des studentischen Projekts sowie der erschreckenden Ergebnisse. Doch Konsequenzen folgten bisher nicht – z.B. zeigen die Ergebnisse, dass eine universitätsweite Studie dringend notwendig ist.

Noch besser wäre eine Studie, die bundesweit Anwendung finden kann! Zahlreiche Studierende berichten über sexuelle Belästigung im Seminar, auf Institutsfeiern, etc. Auch Schilderungen von körperlicher Gewalt bis hin zur Vergewaltigung sind dabei. Letztlich war die Umfrage auch aus der Situation entstanden, dass 2018 eine Kommilitonin einen Kommilitonen wegen Vergewaltigung angezeigte. Wer sich ein wenig damit auskennt, weiß wie schwierig es ist, eine Vergewaltigung anzuzeigen noch diese juristisch anerkannt zu haben. In diesem Fall trat das Typische ein – Indizien waren nicht genug, andere zweifelten an der Tat und letztlich konnte der Student unbehelligt weiter studieren, während das Opfer auf unbestimmte Zeit pausierte. Das Institut sah sich nicht in der Verantwortung Aber die Vergewaltigung passierte im Rahmen einer Institutsfeier und letztlich handelt es sich um einen gemeinsamen Arbeitsplatz, an dem Opfer und Täter aufeinandertreffen. In Deutschland tun sich Universitäten generell sehr schwer mit diesen Problemen und noch mehr, wenn diese außerhalb eines Seminars oder einer Vorlesung stattfinden. Aber eine Universität lebt eben nicht nur davon. Sie lebt von der Interaktion der Studierenden und Lehrenden und sexistische Gewalt zu ignorieren – ganz zu schweigen von rassistischer* – schließt Menschen auf Dauer aus und unterdrückt sie.

Ein Manko haben wir aber an der Studie. Die Gewalt wurde nicht danach aufgeschlüsselt, welches Geschlecht sie angewendet oder erfahren hat. Auch wenn Geschlecht konstruiert ist, werden diese Vorstellungen in der Gesellschaft realisiert und bei Sexismus bedeutet das: Strukturelle Ungleichheit gegenüber Frauen*, von der Männer grundlegend profitieren. Aus vielen qualitativen Kommentaren, die wir begrüßen, lässt sich rauslesen, wen es betroffen hat: Menschen, die als Frauen identifiziert werden oder sich als diese identifizieren. Wir würden uns freuen, wenn das im Nachhinein noch aufgeschlüsselt werden kann. Aber festzuhalten bleibt: es ist die erste Studie dieser Art, durchgeführt von Studierenden in eigener Mühe und es sollten dringend weitere folgen!

Daher eine Bitte: Verbreitet diese Studie und dieses Engagement! Gebt es an eure Universitäten weiter – sorgt dafür, dass es Thema wird! Teilt es über die sozialen Medien, verbreitet Informationen über Flyer oder Poster dazu. Fragt den StuRa/AStA, ein Referat, eine Hochschulgruppe nach Support oder gründet selbst eine feministische Initiative.

Lasst es glitzern, lasst es knallen – Sexismus in den Rücken fallen!

* Das Antirassismus-Referat des Studierendenrats Heidelbergs steht allein da. Unterstützung und Forschung durch Dozierende oder nicht-studentische Unistrukturen fehlen.

Freiwillige Ausreise als Farce! Stop Deportation!

Erniedrigende staatliche Gewalt bei Sammelabschiebung, Abzuschiebende und Angehörige wie Kriminelle behandelt, Infektionssschutz vor Corona interessiert nicht.

Die hier bereitgestellten Informationen kommen von Refugees4Refugees.

Anfang Dezember 2020 wurden 43 Menschen nach Nigeria abgeschoben. Der Charterflug  startete am 10. Dezember von München aus, mit 24 Personen aus der BRD, 17 aus Österreich, einer Person aus der Slowakei und einer aus Polen. In der Mittagszeit um 1:45 landeten sie in Lagos, Nigeria. Es waren mehr als hundert Sicherheitskräfte an Bord. In einer Sitzreihe (2, 3, 2 Sitzreihen) im Flugzeug waren jeweils 3 Geflüchtete und 4 Polizist*innen (diese auf den Plätzen an den Gängen). Die Abgeschobenen trugen alle Hand- und Fußfesseln. Manche waren auch am Sitz fixiert, oder ihre Arme wurden an ihrem Körper fixiert. Manche wurden mit Helmen “ruhig gestellt”.

Wir haben bereits mit einigen der Abgeschobenen Kontakt aufgenommen und wichtige Informationen erhalten. Unter den Abgeschobenen befanden sich sogenannte „gut Integrierte“, „freiwillig Rückkehrende“, Familienväter, 3 Frauen und 2 Kinder.

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Aufruf zu “Solidarisch durch die Krise!” 12. Dezember 2020, Frankfurt

Keine Frage – es gibt eine Menge guter Gründe gegen staatliche Maßnahmen im Zuge der Coronakrise zu protestieren. Denn die Last der Krise liegt nicht auf dem Rücken derjenigen, die mehr als genug haben. Nein, die Last der Krise tragen vorallem Lohnabhängige, FLINTA (Frauen, Lesben, Inter-, Nonbinary-, Trans-, Agender-Personen) und People of Colour – also all jene, die sowieso ausgebeutet, marginalisiert oder diskriminiert werden.

Während große Unternehmen vom Staat mit millionenschweren Hilfspaketen subventioniert werden, haben hunderttausende Lohnabhängige durch Stellenabbau den Job verloren. Noch viele mehr müssen um ihre wirtschaftliche Existenz bangen und Kultur- und Gastronomietreibende gehen massenweise pleite. Zu den subventionierten Großkonzernen gehören zu allem Übel in erster Linie Akteure der Flug- und Autoindustrie, die maßgeblich zur Klimakatastrophe beitragen.

Zusätzlich wird ein Lockdown verhängt, der nur für unser Privatleben, aber nicht für unsere Arbeit gilt. Wir sollen uns also im Privaten einschränken, um uns dann in der Schule, im Büro, im Krankenhaus oder in der Fabrik mit dem lebensgefährlichen Virus anzustecken? Diese Maßnahmen dienen nicht dem Schutze unserer Gesundheit. Sie dienen nur dem wirtschaftlichen “Weiter so“, damit all die, die schon von der Krise profitiert haben, auch weiterhin profitieren.

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Redebeitrag über Schmerzen und Polizeigewalt – Gemeinschaftlicher Widerstand gegen G20-Prozesse, 28.11.2020

G20 geht nicht mehr aus dem Kopf.

Liebe Freundinnen, liebe Freunde, liebe Antifaschist*innen, liebe zufällig vorbeilaufende Menschen! Auch wir begrüßen den Aufruf zum gemeinschaftlichen Widerstand gegen die G20-Prozesse und schließen uns dem solidarischen Protest an. Wir möchten unsere Reflexionen zu den Folgen von Polizeigewalt bei Aktionen des zivilen Ungehorsams mit euch teilen. Wir wollen eine Form von Repression benennen, die leider noch oft runterfällt: die der körperlichen Gewalt, der körperlichen Verletzungen. In Reaktion auf eine Kopfverletzung eines Genossen während der G 20 Proteste und den Folgen im Nachklang, entstand ein persönlicher Erfahrungsbericht, den wir in Teilen wiedergeben wollen. Er schreibt:

G20 geht nicht mehr aus dem Kopf. „Seit 1095 Tagen habe ich Kopfschmerzen. Im Juli 2017 war ich bei der Aktion des zivilen Ungehorsams “Block G20” in Hamburg dabei. Ich hatte mit meiner Bezugsgruppe das Ziel, den Ablauf des G20 Gipfels zu stören und dafür versuchten wir in die gesperrte “rote Zone” einzudringen. Dies dauerte mehrere Stunden und glich einem Katz-und-Maus-Spiel. Immer wieder wurde die Gruppe von schlagfreudigen Einheiten der Polizei gestoppt. Jedes Mal erwischte es ein paar Wenige, – Platzwunden an Köpfen und andere Verletzungen nahmen wir wahr. Jedes Mal setzte die Gruppe ihren Weg fort in Richtung gesperrte Zone. Doch kurz vor Erreichen des Ziels erwischte es auch mich. Nach dem dumpfen Schlag auf meinen Kopf vernahm ich ein kurzes lautes Piepsen und schon stand ich blutüberströmt da. Ich blieb bei Bewusstsein und mir wurde schnell geholfen. Demo-Sanis, Rettungswagen, Notaufnahme. Die Verletzung tat zu Beginn nicht sehr weh und so ging ich am nächsten Tag sogar noch zur Großdemo „Grenzenlose Solidarität statt G20“. Nach ein paar Tagen stellten sich bei mir dauerhafte Kopfschmerzen ein. Als diese auch nach mehreren Wochen noch da waren, begann ich mir langsam Sorgen zu machen…”

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