Category: Antira

  • Fähren statt Frontex – Seenotrettung ist kein Verbrechen

    Auf der Seebrücken-Demo am Wochenende sind erneut hunderte in Heidelberg auf die Straße gegangen um gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung und für sichere Fluchtwege zu Demonstrieren. Unseren Redebeitrag von der Demo gibt es hier zum nachlesen.

    “Wir können nicht länger ignorieren, dass seit 3 Jahren Tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken und dass der Tod dieser Menschen in Europa politisch gewollt ist. Wir hören es jeden Tag und sind daher abgestumpft, aber diese Tatsache muss man mal ernsthaft an sich heran lassen! Tausende Menschen werden bewusst sterben gelassen.
    Wer lässt diese Menschen sterben? Es sind nicht nur „die Politiker“, „die Reichen“, „das Establishment“ oder „die Faschisten mit ihrer kranken Rassenideologie“. Es ist die Mehrheitsgesellschaft in gesamt Europa! Und alle wissen es! Es ist nicht so, dass die Nachricht des Leides durch die Medien zensiert wird, Menschen nicht darüber sprechen oder Tatschen geschönt werden.

    Das ist das große Dilemma. Da stehen wir als Linke und denken: es fehlt nur an Aufklärung! Die Menschen müssen nur erfahren was für ein Unrecht geschieht, dann schafft sich die Freie Gesellschaft schon von selbst. Das ist das Verrückte: Wenn hier Banner gehalten werden mit der Forderung „stoppt das Massensterben im Mittelmeer“, dann sagt die Mehrheitsgesellschaft einfach: „Nein, machen wir nicht!“ Wie kann das sein? Ist in den letzten 3 Jahren die Hälfte der Menschheit zu gewissenlosen Unmenschen mutiert? Sind wir die einzigen Menschen denen der Tod von Tausenden nicht egal ist? Wenn wir durch diesen Irrsinn nicht zum misantropischen Eremiten auf einer Landkommune werden wollen, bleibt uns als Linke nur die Auseinandersetzung mit
    genau diesem Irrsinn!

    Warum also akzeptieren die Menschen in Europa das Sterben Tausender? Es ist eine eiskalte Logik die unserer Gesellschaft durchzieht. Eine Logik die das Sterben notwendig erscheinen lässt. Eine Logik die Grenzen, Abschottung, Konkurrenz und Volksgemeinschaften als natürlich erscheinen lässt. Eine Logik die Nationen und Nationalitäten, Reisepässe und Visa, Waffenexporte und Profitmaximierung als Selbstverständlich erscheinen lässt. Das ist der Wahnsinn des Alltags! Millionen Menschen verhungern während massenhaft Lebensmittel vernichtet werden. Kriege werden mit den Waffen geführt, die Deutschland zum Exportweltmeister machen. Dürren und Überflutungen sind direkte Folgen vom Kohleabbau, wie im Hambacher Forst, wo in diesem Moment tausende Polizisten AktivistInnen von den Bäumen prügeln! Und all das sind Fluchtursachen! Genau dieser verrückte Alltag lässt Menschen um ihr leben schwimmen. Und wie krank und pervers ist es dann dass wir, als Verursacher*innen dieses Leides, die Menschen die von diesem Wahnsinn betroffen sind ertrinken lassen!
    Es ist Zeit für ein Umdenken. Es ist Zeit für ein großes NEIN zu diesem Alltag, dieser
    Logik, dieser Natürlichkeit und dieser Gleichgültigkeit.

    Wenn wir endlich begreifen, wie willkürlich Nationalitäten sind. Wie zufällig es ist wo
    wir geboren sind und wie zu tiefst ungerecht es ist dass manche Menschen alles
    besitzen und andere nichts. Wenn wir das wirklich ernsthaft begriffen haben, dann ist
    klar, wie grausam Grenzen und Nationen sind, die diese Ungerechtigkeit zementieren!
    GRENZEN SIND MENSCHENFEINDLICH! NATIONEN SIND MENSCHENFEINDLICH!

    In diesem Sinne, no Borders no Nation! Lasst uns dem Wahnsinn des Alltags den
    Kampf ansagen!”

  • NSU-Prozess: Straßen in Heidelberg nach Opfern des NSU umbenannt

    Am Mittwoch endet der NSU-Prozess nach über fünf Jahren. Im Rahmen einer dezentralen, bundesweiten Aktion der Interventionistischen Linken haben auch wir in Heidelberg anläßlich dessen einige Straßen nach den Opfern des NSU umbenannt.

    Wir wollen damit an die Opfer des NSU erinnern: Enver Simsek,Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.

    Der NSU-Prozess hat kein Licht ins Dunkle der rechten Terrornetzwerke gebracht. Im Gegenteil: Die Theorie des “isolierten Trios” wird weiter verfestigt. Dabei wurden die Verstrickungen bis in höhere Ebenen des Verfassungsschutzes hinein völlig augeklammert. Zeugen starben auf mysteriöser Art und Weise an “Selbstmord aus Liebeskummer” und “einer unerkannten Diabetes” kurz bevor, bzw. auf dem Weg zu ihrer Aussage. In Hessen bleiben die NSU Akten für 120 Jahre unter Verschluss.

    Wir fordern Aufklärung der Netzwerke und ihrer Verstrickung in staatliche Institutionen.
    Wir fordern die Auflösung des Verfassungsschutzes.
    Unsere Solidarität gilt auch in Zukunft den Betroffenen von rechter Gewalt.

    Der NSU war nicht zu dritt!

    Während der Aktion nahm die Heidelberger Polizei die Personalien von einigen AktivstInnen auf und leitete ein Verfahren wegen Sachbeschädigung an den Straßenschildern durch Aufkleber ein. Dabei ging sie unverhältnismäßig gegenüber Zeugen der Aktion vor. Als diese das Geschehen mit einer Kamera dokumentieren wollten, versuchten die Beamten ihnen die Kamera aus der Hand zu schlagen und gewaltsam zu entreißen. Wir fordern die Einstellung aller Verfahren.

  • Nachttanzdemo und Party – 45 Jahre JUZ! [Ankündigung des JUZ Friedrich Dürr]

    “❶ Ab 18 Uhr, Start Hbf Mannheim: Nachttanzdemo
    ❷ Im Anschluss (22 Uhr): Party im JUZ Mannheim

    Wir feiern 45 Jahre JUZ! Für Vielfalt, Kommunikation, Kreativität und Partizipation!
    1973 wurde das JUZ von Jugendlichen, die nirgendwo in der Stadt einen geeigneten Treffpunkt hatten, erkämpft. Daraus ist ein Ort für unkommerzielle Kunst, (Gegen-)Kultur und autonome Politik entstanden, der schon seit 45 Jahren zeigt, dass es auch anders gehen kann. Das wollen wir mit einer Nachttanzdemo feiern und gleichzeitig unsere Solidarität an alle Freiräume aussenden, die gerade (wie das JUZ erst vor kurzem) um ihre Existenz bangen oder erst noch erkämpft werden müssen.

    Auf der Demo wie auf der Party gilt:
    Wir wollen, dass bei uns alle angstfrei Spaß haben können.
    Rassistisches, antisemitisches, sexistisches, homophobes und anderweitig bescheuertes und bedrohliches Verhalten werden wir nicht tolerieren.”

    Wir freuen uns drauf!