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  • Aufruf zum feministischen Block auf der NTD

    Wir dokumentieren hier den Aufruf zum feministischen Block auf der Nachttanzdemo:

    Take Back The Night – Support Your Local Feminism
    Aufruf zu dem feministischen Block auf der Nachttanzdemo am 18.10.14 in Heidelberg

    Wir haben es oft genug erlebt und beobachtet:
    … Anzügliche Blicke auf der Straße …
    … Hinterherrufen und Gepfeife …
    … ein schneller Griff an den Hintern im Club oder im Bus …
    … blöde sexistische Sprüche, wenn wir alleine unterwegs sind …
    … Kommentare, wenn unsere nicht-heterosexuelle Liebesbeziehung öffentlich sichtbar wird …
    … übergriffiges Verhalten am Arbeitsplatz oder auf dem Marktplatz, weil wir als Nicht-Weiße durch den rassistischen Blick nicht als gleichwertig gelten …

    Frauen* sind in der patriarchalen Gesellschaft nicht gleichwertig, das wird im öffentlichen Raum an vielen Stellen deutlich: In Fernsehbeiträgen wird über „dicke Frauen“ verächtlich berichtet, sie werden lächerlich gemacht. Wir werden überall mit Werbung konfrontiert, die Frauen* herabwürdigt oder als verfügbare Sex-Objekte zeigt, die suggeriert, was von einer Frau im öffentlichen Raum erwartet wird, wenn sie akzeptiert werden will. Wenn wir jünger sind wird uns gesagt, dass „anständige Mädchen“ sich nicht „so“ anziehen und sich nicht „so“ zu verhalten haben. Uns wird erzählt, dass es Orte gibt, die gefährlich für uns sind, weil wir keine Männer sind, uns wird beigebracht, uns vor der Nacht zu fürchten. Uns wird gesagt, dass wir selbst Schuld sind, wenn uns etwas passiert…

    Schluss mit diesem sexistischen Quatsch! Gegen patriarchale Vergewaltigungsmythen und Täter-Betroffenen-Umkehr!

    Wir haben keine Lust mehr, uns vorschreiben zu lassen, wie wir uns zu verhalten haben, was wir wann wie wo anziehen dürfen und mit wem wir Sex haben. Der öffentliche Raum darf nicht länger männlich bleiben. Er gehört uns allen und es ist Zeit, dass wir ihn uns zurück erkämpfen. Wir nehmen uns das Recht auf Öffentlichkeit, auf öffentlichen Raum, auf einen Platz in unserer Stadt!

    Deshalb fordern wir:
    – Schluss mit dem grenzüberschreitenden Verhalten auf der Straße und im Privaten!
    – Schluss mit dem alltäglichen Sexismus in den Köpfen und Strukturen!
    – Schluss mit der Bewertung unsere Körper anhand von aufgezwungenen Schönheitsidealen!
    – Schluss mit sexistischer und sexualisierter Gewalt gegen Frauen*!

    Da eine Gesellschaft nur dann verändert werden kann, wenn jedem und jeder diese unhaltbaren Zustände bewusst werden, wollen wir alle ermutigen sich damit auseinanderzusetzen, um die sexistischen Verhältnisseschließlich gemeinsam überwinden zu können.

    Für ein selbstbestimmtes Leben ohne Angst und heterosexistischen Zwang! Deshalb kommt am 18.10.2014 um 17:45 Uhr zum Treffpunkt des Fem-Blocks bei der Bismarckstatue auf dem Bismarckplatz. Alle sind willkommen, die unsere Kämpfe supporten!

    Feministisches Netzwerk Heidelberg

  • Antirassistische Kundgebung am 06.09. in Schwetzingen

    Am 3. Juli 2014 hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das das Asylrecht weiter verschärft, indem Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina künftig als sogenannte sichere Herkunftsstaaten gelten sollen. Am 19. September wird das Gesetz noch im Bundesrat behandelt, wird es auch dort angenommen, tritt es in Kraft. Das Ignorieren der massiven Bedrohungssituation für Roma und Homo- und Transsexuelle in diesen Staaten reiht ganz klar in eine Haltung ein, die von strukturellem Antiziganismus und dem Bestreben, das Recht auf Asyl noch weiter auszuhöhlen, gekennzeichnet ist. Kommt zahlreich zur Kundgebung am 06.09. um 14 Uhr nach Schwetzingen und zeigt euch solidarisch mit den Geflüchteten!

    Im Schatten der WM wurde das Gesetz zur Erweiterung der Liste der sicheren Herkunftsländer im Schnellverfahren durch den Bundestag gepeitscht. Die Bundesregierung sei “nach sorgfältiger Prüfung” zu dem Ergebnis gekommen, dass in den drei Staaten „gewährleistet erscheint, dass dort weder Verfolgung noch Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung noch Bedrohung infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts stattfindet”.

    Diese Einschätzung geht an der Lebensrealität von bedrohten Minderheiten in diesen drei Ländern komplett vorbei. Roma werden da in allen gesellschaftlichen Bereichen diskriminiert. Dies beginnt bei der Einschulung von Kindern und geht über den Zugang zur Gesundheits- und Sozialversorgung bis zum Zugang zum Wohnen. Roma-Siedlungen werden von der serbischen Regierung zwangsgeräumt und die Bewohner*innen entweder ohne Unterkunft gelassen oder in Containersiedlungen abseits von kommunaler Infrastruktur und in miserabelsten hygienischen Bedingungen untergebracht.

    Auf den Arbeitsmärkten aller drei Länder findet eine systematische Diskriminierung von Roma statt, ein weiteres großes Problem ist der Zugang zum Gesundheitswesen. Die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen ist oft an eine feste Meldeadresse gekoppelt, was einen erheblichen Teil der Roma ausschließt und viele Roma haben auch Angst davor, sich an Institutionen des Gesundheitswesens zu wenden, da es viele Fälle von Diskriminierung seitens des Personals dort gab.

    Zusätzlich zur strukturellen Diskriminierung werden Roma in Serbien, Mazedonien und Bosnien und Herzegowina auch vielfach Opfer von gewalttätigen Übergriffen. Alleine 2013 gab es mehrere Angriffe, auch gegen Roma-Kinder und -Jugendliche, die tödlich ausgegangen sind. Von den Medien werden diese Übergriffe entweder verschwiegen oder aber als Folgen von alltäglichen Streitereien oder Taten von Hooligans bagatellisiert, seitens der Justiz kommt es oft trotz zahlreichen Beweisen zu Freisprüchen der Täter*innen..

    Und nicht nur Roma sind in Serbien, Mazedonien und Bosnien und Herzegowina nicht sicher – auch homo- und transsexuelle Menschen sind in diesen Staaten einer großen Feindseligkeit ausgesetzt. Es werden homo- und transphobe Ansichten aktiv seitens der Medien und auch der Regierung geschürt. In allen drei Staaten kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen gewalttätigen Angriffen auf Homosexuelle, Hass– und Drohreden sind an der Tagesordnung. In Bosnien entzieht sich die Polizei mit Verweis auf Gesetzeslücken dabei auch aus der Verantwortung, bei Bedrohungen und Diskriminierung Maßnahmen zu ergreifen.

    All diese Informationen lagen der Regierung anhand von Gutachten und Expert*innen-Berichten schon lange vor der Verabschiedung dieses Gesetzes vor. Dennoch werden die Augen vor der Verfolgung ganzer Menschengruppen verschlossen und das Asylrecht soll noch weiter ausgehöhlt werden.

    Deshalb: ein klares Nein zur Verschärfung des Asylrechts!

    Asyl ist ein Menschenrecht, Flucht ist kein Verbrechen!

  • Aufruf zum “Recht auf Stadt-Kongress” und zur Nachttanzdemo 17. – 19. Oktober 2014 in Heidelberg

    Wir leben in der neoliberalen Stadt. Öffentliche Unternehmen wurden privatisiert. Unsere Plätze gehören schicken Cafés und an ihre Tische dürfen wir uns nur setzen, wenn wir bestellen und zahlen. Selbst wenn wir uns mit Bus und Bahn in der Stadt bewegen, sollen wir einen Fahrschein kaufen. Zu manchen Zeiten dürfen wir sogar nur mitmachen, wenn wir besonders viel Geld zahlen: Das günstige Bier aus dem Supermarkt ist in Baden-Württemberg nach 22 Uhr verboten, wer aber genug Geld hat, kann sich selbst Cocktails an der Bar ordern. Wenn wir so wenig Geld haben, dass wir froh sind, wenn wir ein Zuhause auf den Straßen der Stadt gefunden haben, verteiben uns Polizei und Securitys von den Straßen.

    -> Für ein Recht auf Stadt jenseits kommerzieller Interessen

    Wir haben zu kämpfen mit steigenden Mietpreisen. Frühere städtische Sozialwohnungen wurden privatisiert und die Rendite soll jetzt steigen. Jede Sanierung des Hauses und jede Aufwertung des Viertels ist für uns kein Grund zu feiern, denn für uns bedeutet es, sich das Zuhause nicht mehr leisten zu können. Die Viertel die wir erst beseelt haben, werden uns zu teuer. Wir sind gezwungen an den Stadtrand zu ziehen. Gentrifizierung heißt dieser Prozess, doch er muss nicht stattfinden.

    -> Für ein Recht auf Stadt ohne Verdrängung

    Wir wollen in verschiedenen politischen und sozialen Formen zusammenleben, in bunten Häusern, Wohnprojekten, besetzten Häusern oder auf Wagenplätzen. Doch Gesetze und Richtlinien sind starr nur auf übliche Wohnformen ausgelegt. Sie engen uns ein, schickanieren oder schlimmer noch, führen zur Räumung.

    -> Für ein Recht auf Stadt aller Wohnformen gleichberechtigt nebeneinander

    Wir sehnen uns nach einem Ort, an dem wir uns treffen und austauschen können. Wo wir träumen, planen und neue Formen des Miteinanders ausprobieren können. Ein Ort in dem nicht kommerzielle Vorträge, Workshops, Konzerte und Partys stattfinden. Wo es Platz für politische Gruppen und Plena gibt.

    -> Für ein Recht auf Stadt mit einem autonomen Zentrum

    Wenn wir als Geflüchtete hier herkommen, werden wir in Lagern fern der Stadtzentren untergebracht. Die sogenannte Residenzpflicht verbietet es uns die Städte aufzusuchen, die in einem anderen Bundesland liegen. Statt Geld erhalten wir erniedrigende Gutscheine, die uns von jeder Bezahlung ausschließen. In unserer eigenen Stadt dürfen wir nicht arbeiten.

    -> Für ein Recht auf Stadt von Geflüchteten

    Doch auch wenn wir hier ganz normal leben, vielleicht sogar hier geboren sind, bekommen wir manchmal zu hören, dass wir hier nicht hingehören. Wenn wir nicht deutsch genug heißen, ist es schwierig sich auf eine Wohnung zu bewerben. Wenn wir nicht deutsch genug aussehen, werden wir abends von den Clubs an der Tür abgewiesen. Auch der Staat macht mit: “Racial Profiling” heißt die Praxis; die Polizei kontrolliert Menschen, die nicht deutsch aussehen, weil sie angeblich häufiger gegen das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder andere Gesetze verstoßen.

    -> Für ein Recht auf Stadt ohne den alltäglichen Rassimsus

    Wenn wir ein Kleid tragen, wird kommentiert ob es gefällt und wie wir darin aussehen. Wir hören Anmachen oder Beleidigungen. Wir sind aber nicht hier um andere zu unterhalten.
    Wenn wir Männer, Frauen oder andere Geschlechter küssen, bekommen wir zu hören, es wäre eklig oder falsch. Wir haben es satt, dass unsere Identität, unsere Liebe oder unser Begehren ständig ungefragt kommentiert wird.

    -> Für ein Recht auf Stadt jenseits von Homophobie, Sexismus und Patriarchat

    Wenn wir durch die Stadt gehen, wollen Polizist*innen unsere Ausweise sehen und durchwühlen unsere Rucksäcke. Sie begleiten unsere Demonstrationen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Wenn wir öffentliche Plätze überqueren, überwachen Videokameras unser Verhalten. Wenn wir durch die Stadt gehen, speichern Geheimdienste ständig Positionsdaten unserer Mobiltelefone und wenn wir telefonieren, hören sie mit. Schon vor der Strafe führt die bloße Überwachung dazu, dass Menschen nicht unbeschwert leben, sondern sich aus Angst angepasst und konformistisch verhalten.

    -> Für ein Recht auf Stadt ohne Überwachung, Anpassungszwang und Kontrolle

    Wir wollen bewusst machen, dass unsere Probleme nicht im luftleeren Raum entstanden sind. Mit der Erschaffung eines Kollektivs ist immer die Ausgrenzung von denen verbunden, die nicht zum Kollektiv gehören. Die Erhöhung der eigenen Gruppe bedeutet die Abwertung der fremden Gruppe.
    Ein Wirschaftssystem, das auf Wettkampf und Konkurrenz, auf Druck und Ellbogen aufgebaut ist, produziert Versagensängste und Verlierer*innen. Oft scheint die einzige Möglichkeit die selbsterfahrene Gewalt an andere Menschen weiterzugeben oder Sündenböcke zu suchen. Stattdessen aber sollten wir die gesellschaftlichen Verhältnisse so ändern, dass sich jede* nach ihren Fähigkeiten und nach ihren Bedürfnissen einbringen kann. Für eine Welt, in der alle ohne Angst verschieden sein können.

    -> Für ein Recht auf Stadt jenseits von Staat, Nation und Kapital

    Daher rufen wir auf: Kommt alle zum “Recht auf Stadt-Kongress” und zur Nachttanzdemo, 17. – 19. Oktober 2014 in Heidelberg.